|
Demökologie
und Populationsgenetik der Grünfrosch-Gruppe (Rana
kl. esculenta- Komplex) in der Agrarlandschaft des
Drachenfelser
Ländchens bei Bonn
von Peter Schmidt, Bonn
Die Diplomarbeit wurde
von Prof. Dr. Wolfgang Böhme betreut und im Zoologischen
Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig an
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
in Bonn erstellt. Finanzielle Mittel standen aus dem
E+E-Vorhaben "Entwicklung von Amphibienlebensräumen
in der Agrarlandschaft" zur Verfügung. Die
Arbeit wurde im Mai 2002 abgeschlossen
Zitat: Schmidt, P. (2002): Demökologie
und Populationsgenetik der Grünfrosch-Gruppe (Rana
kl. esculenta- Komplex) in der Agrarlandschaft des Drachenfelser
Ländchens bei Bonn.- unveröff. Diplomarbeit,
Zool. Forschungsinstitut Museum A. Koenig, Universität
Bonn, 125 S.+ Anhang
Gegen eine Unkostenerstattung in
Form einer Vorabüberweisung von 20 Euro inkl. Versandkosten
kann die Arbeit in gebundener Form zum eigenen Gebrauch
zur Verfügung gestellt werden (s. Kontakte).
ZUSAMMENFASSUNG
Im Rahmen dieser Arbeit wurde die Grünfroschpopulation
eines Gewässersystems im Drachenfelser Ländchen
in der Nähe von Bonn untersucht. Dieses System
besteht aus zwei natürlichen und drei künstlichen
Kleingewässern. Die Daten der Jahre 1989 bis 1995
zeigten, dass die Grünfrösche ausgehend von
dem zentral gelegenen natürlichen Gewässer
alle übrigen Gewässer besiedelt haben. Dabei
verlief die Besiedlung langsamer als bei den übrigen
vorkommenden Amphibienarten. Die einzelnen Lokalpopulationen
wuchsen stetig an und zwischen allen Gewässern
fand regelmäßig Migration statt. In den Jahren
2000 und 2001 konnte Reproduktion allerdings nur in
dem natürlichen Zentralgewässer und einem
künstlichen Tümpel nachgewiesen werden. Der
Reproduktionserfolg in diesen beiden Gewässern
dürfte allerdings ausreichen, um die Gesamtpopulation
in der aktuellen Größe aufrechtzuerhalten.
Da keine weiteren Gewässer mit reproduktiven Grünfroschpopulationen
in der Umgebung existieren, ist davon auszugehen, dass
das Gewässersystem von weiteren Tümpeln demografisch
unabhängig ist. Zusätzlich zu den freilandökologischen
Studien wurde im Bonner Raum die genetische Variabilität
von dieser und fünf weiterer Grünfroschpopulationen
mittels Allozymelektrophorese untersucht.
Alle Populationen erscheinen wenig variabel. Es konnten
nur in zwei polymorphe Enzymsysteme regelmäßig
dargestellt werden: LDH und 6-PGDH. Es wurde eine signifikante
Verbindung zwischen den Enzymsystemen nachgewiesen.
Im Hauptuntersuchungsgebiet "Drachenfelser Ländchen"
ist die größte Variabilität gefunden
worden. Hier dominiert der LDH-Genotyp 11. Die gefundenen
LDH-Genotypen dienen in anderen Arbeiten oft zur Bestimmung
der Grünfroschphänotypen. In dieser Untersuchung
lassen sich die Genotypen allerdings nicht anhand der
üblichen morphologischen Merkmalen wie Kopf-Rumpflänge,
Tibialänge, Fersenhöckerlänge, Zehenlänge
und der jeweiligen paarweise gebildeten Quotienten voneinander
unterscheiden. Dennoch repräsentieren sie mindestens
zwei unterschiedliche optisch erkennbare Phänotypen.
Diese ließen sich unter Verwendung von 19 Färbungsmerkmalen
mittels einer Hauptkomponentenanalyse und einer Diskriminanzanalyse
auch statistisch belegen. Der erste Phänotyp umfasst
die Genotypen, die meist als Rana lessonae angesprochen
werden, der zweite umfasst dagegen die Genotypen, die
mit R. kl. esculenta und R. ridibunda assoziiert sind.
Die Zuordnung Der LDH-Genotypen anhand der Färbungsmerkmale
zu den Diskussion beiden Gruppen erfolgte mit 98,7 prozentiger
Sicherheit. Die Färbungsdaten lassen sogar eine
Bestimmung der einzelnen LDH-Genotypen anhand der Färbung
mit einer Wahrscheinlichkeit von 90,2% zu. Versucht
man die LDH-Genotypen anhand von Färbungsmerkmalen
den drei Grünfroschphänotypen (lessonae, esculenta
und ridibunda) zuzuordnen, so gelingt dies mit einer
Wahrscheinlichkeit von 96%. Verwechslungen treten nur
zwischen R. kl. esculenta und R. ridibunda auf. Demzufolge
herrscht im Gewässersystem des Drachenfelser Ländchens
Rana lessonae mit etwa 70% vor. Rana kl. esculenta ist
bedeutend seltener und Rana ridbunda kaum vertreten.
Dies entspricht den Erwartungen, da die Gewässer
nur 50 bis 200 m2 Wasserfläche besitzen und mit
ihrer geringen Tiefe, ihrem dichten Bewuchs und der
ausgeprägten Wasserinsektenfauna typische Kleingewässer
sind.
Die Gewässer der rechten Rheinseite unterscheiden
sich in ihrer Genotypenzusammensetzung signifikant von
den Gewässern der linken Rheinseite. Auf der rechten
Rheinseite herrscht der LDH-Genotyp 33 und damit wahrscheinlich
Rana ridibunda vor, auf der linken dominiert insgesamt
dagegen der Genotyp 11 (Rana lessonae). In zwei der
linksrheinischen Gewässer besitzt R. kl. esculenta
den größten Anteil (Genotypen 31 und 32)..
Der Rhein scheint hier als trennendes Element zu fungieren
und einen Genaustausch zwischen den Gewässern der
unterschiedlichen Rheinseiten zu verhindern. Das liegt
sicher auch daran, dass das Rheintal im Raum Bonn dicht
besiedelt ist und wenig Gewässer aufweist. Die
Allelfrequenzen der Grünfroschpopulation des Drachenfelser
Ländchen liegen nicht im Hardy-Weinberg-Gleichgewicht
vor. Daher unterscheiden sich die Genotypfrequenzen
der Juvenilen von denen der Adulti, wobei die Juvenilen
genetisch weniger variabel erscheinen. So fehlt in beiden
Untersuchungsjahren der LDH-Genotyp 33 (Rana ridibunda)
und im Jahr 2001 zusätzlich der Genotyp 32 (R.
kl. esculenta).
Sollten die Umweltbedingungen sich nicht ändern,
ist daher langfristig mit einem Verschwinden des Genotyps
33 zu rechnen. Im vorliegenden System scheinen weder
R. lessonae noch R. kl. esculenta einer gerichteten
Selektion zu unterliegen. Rana lessonae besitzt einen
generell höheren Reproduktionserfolg, R. esculenta
hingegen scheint im Adultstadium vor allem im Winter
überlebensfähiger zu sein.
zurück
zur Übersicht
|