Migrationsverhalten und Raumnutzung am Laichgewässer von sieben Amphibienarten im Drachenfelser Ländchen bei Bonn.
von Anja Sampels, Bonn

Die Staatsexamensarbeit wurde von Prof. Dr. Wolfgang Böhme betreut und im Zoologischen Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn erstellt. Finanzielle Mittel standen aus dem E+E-Vorhaben "Entwicklung von Amphibienlebensräumen in der Agrarlandschaft" zur Verfügung. Die Arbeit wurde im Dezember 2003 abgeschlossen

Zitat: Sampels, A. (2003): Migrationsverhalten und Raumnutzung am Laichgewässer von sieben Amphibienarten im Drachenfelser Ländchen bei Bonn.- unveröff. Staatsexamensarbeit, Zool. Forschungsinstitut Museum A. Koenig, Universität Bonn, 97 S.+ Anhang

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ZUSAMMENFASSUNG

Für die meisten der untersuchten Arten(Triturus alpestris, T. vulgaris, T. cristatus, Rana dalmatina, R. temporaria, Bufo bufo) stellen sich die Präferenzen sowohl in Bezug auf die Raumnutzung am Laichgewässer als auch für die Migration zwischen den Gewässern in Ausprägung und Ausrichtung zum Teil sehr unterschiedlich dar. Dies war aufgrund der verschiedenen Lebensraumansprüche der Arten (vgl. GÜNTHER 1996) nicht anders zu erwarten. Oftmals bestätigten die Ergebnisse der Raumnutzung am Laichgewässer bekannte Habitatpräferenzen, so z. B. bei Rana esculenta und Triturus vulgaris.
Für die meisten Arten waren die Präferenzen bei der Abwanderung stärker ausgeprägt als bei der Anwanderung. Somit erfolgte die Abwanderung vom Laichgewässer zielgerichteter als die Anwanderung. Ein Grund hierfür könnte sein, dass sich die Populationen im Sommer häufig gleiche Plätze aufsuchen, ihre Winterruhe aber verstreut in Verstecken verbringen.
Es konnte gezeigt werden, dass das Abwanderungsverhalten der Juvenes, die erstmalig ihr Geburtsgewässer verlassen, weniger zielgerichtet erscheint, als das der Adulti, denn die Ausprägung der Präferenzen für eine bestimmte Abwanderungsrichtung der adulten Amphibien war deutlich stärker als die der juvenilen. Ursache für dieses Verhalten kann mangelnde Ortskenntnis der Juvenes sein, aber auch die Möglichkeit dass frisch metamorphosierte Amphibien versuchen geeigneten Landlebensraum zu entdecken, in dem die Konkurrenz durch bereits abgewanderte Adulti möglichst gering ist.
Das An- und Abwanderungsverhalten von Männchen und Weibchen wies starke Übereinstimmungen auf. Weiterhin wurden beim Vergleich der Raumnutzung am Laichgewässer zwischen den einzelnen Untersuchungsjahren keine wesentlichen Unterschiede festgestellt.
Der Langzeitvergleich, bei dem Daten aus den Jahren zwischen 1989 und 2003 vorlagen, zeigte für manche Arten (besonders Rana temporaria und adulte Triturus alpestris), dass sich die Vorliebe für die Abwanderungsrichtung vom Laichgewässer über die Zeit hinweg nicht ändert. Bei anderen Arten (z. B. Bufo bufo) ist eine deutliche Veränderung der Abwanderungspräferenzen erkennbar. Möglicherweise hängt der massive Einbruch des Reproduktionserfolges an dem entsprechenden Untersuchungsgewässer mit diesem Ergebnis zusammen.
Für die Anurenarten konnten wesentlich höhere Migrationsraten als bei den Urodelen ermittelt werden, was sich mit der unterschiedlichen Morphologie in Verbindung bringen lässt. Für Molche werden ohnehin wesentlich geringere Wanderstrecken angegeben (z. B. bei BLAB 1986).
Da genetische Untersuchungen für den Teichmolch (THOMAS 2002) einen starken Genfluss zwischen den Gewässern unabhängig von deren Entfernung zeigte, die Ergebnisauswertungen dieser Arbeit aber eine signifikante Abnahme der Anzahl der adulten Migranten mit zunehmender Entfernung der Gewässer erbrachte, muss die Ausbreitung vor allem über juvenile Tiere stattfinden.
Beim Bergmolch war die Migrationsrate zwischen Gewässern, die beide inmitten eines Waldbestandes liegen, wesentlich höher, als in den Fällen wo der Weg zu einem neuen Laichgewässer durch intensiv genutztes Agrarland führt. Dies bestätigt die Habitatpräferenz, für kühle und feuchte Standorte (GÜNTHER 1996), indem Wege durch trockenes und wenig Verstreckmöglichkeiten bietendes Ackerland gemieden werden.
Vor allem bei den Arten Bufo bufo und Rana dalmatina konnte ein wesentlich höherer Anteil männlicher als weiblicher Migranten ermittelt werden. Dies wird im Zusammenhang mit den Reproduktionskosten und der Fitness für die beiden Geschlechter diskutiert.
Zumindest Grasfrösche und adulte Bergmolche scheinen über Jahre hinweg gleiche Wanderwege zum Laichgewässer hin oder von dort aus in den Sommerlebensraum zu nutzen. Die vorliegenden Daten lassen jedoch nicht den Schluss zu, ob regelrechte Wanderkorridore genutzt werden. Solche Ergebnisse sind jedoch für die Landschaftsplanung im Hinblick auf Amphibienschutz wichtig. Auf die Wichtigkeit der Habitatstruktur zwischen Laichgewässer weisen auch JOLY et al. 2001 hin. Untersuchungen mit Hilfe von Landfallen in der Umgebung von Amphibienlaichgewässern und telemetrische Untersuchungen können Hinweise auf das Vorhandensein bzw. die Nutzung solcher Wanderkorridore liefern. Vor allem, wenn Präferenzen im An- und Abwanderungsverhalten bereits bekannt sind, können Landfallen gezielt aufgestellt werden.

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