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Zur
Populationsökologie des Bergmolches Triturus
alpestris (LAURENTI, 1768) in der Agrarlandschaft
des Drachenfelser Ländchens bei Bonn
von Ruth Rottscheidt, Bonn
Die Diplomarbeit wurde
von Prof. Dr. Wolfgang Böhme betreut und im Zoologischen
Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig an
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
in Bonn erstellt. Finanzielle Mittel standen aus dem
E+E-Vorhaben "Entwicklung von Amphibienlebensräumen
in der Agrarlandschaft" zur Verfügung. Die
Arbeit wurde im Januar 2002 abgeschlossen
Zitat: Rottscheidt, R. (2002): Zur
Populationsökologie des Bergmolches Triturus alpestris
(LAURENTI, 1768) in der Agrarlandschaft des Drachenfelser
Ländchens bei Bonn - unveröff. Diplomarbeit,
Zool. Forschungsinstitut Museum A. Koenig, Univeristät
Bonn, 144 S.
Gegen eine Unkostenerstattung in
Form einer Vorabüberweisung von 18 Euro inkl. Versandkosten
kann die Arbeit in gebundener Form zum eigenen Gebrauch
zur Verfügung gestellt werden (s. Kontakte).
Zusammenfassung
Im Rahmen des Entwicklungs- und Erprobungsvorhabens
(E+E) "Entwicklung von Amphibienlebensräumen
in der Zivilisationslandschaft" wurden im Drachenfelser
Ländchen südlich von Bonn in den Jahren 2000
und 2001 populationsökologische und -genetische
Untersuchungen am Bergmolch Triturus alpestris
durchgeführt. Die Analyse von Populationsstruktur
und -dynamik beeinflussenden Faktoren sollte - neben
der Bereitstellung von Grundlagendaten im Rahmen der
Langzeitstudie - Aussagen zu Stabilität und Dynamik
von Molchpopulationen in einer Agrarlandschaft ermöglichen.
Dazu wurden die Parameter Populationsgröße,
Mortalität, Altersstruktur, Reproduktionserfolg
und Migration von fünf - im Bezug auf Größe
und Beschaffenheit ihrer Laichgewässer - sehr heterogenen
Lokalpopulationen erfasst.
Die durch eine Kombination aus stationärer Zaunanlage
und Fang-Wiederfang-Experimenten gewonnenen äußerst
genauen quantitativen Daten zur Populationsgröße
weisen im Vergleich mit Literaturangaben auf teilweise
sehr große Bestände des Bergmolches hin.
Dabei wurde eine deutliche Präferenz für Gewässer
in Waldnähe nachgewiesen. Für relativ große
Gewässer konnte eine höhere Anzahl überwinternder
Tiere dokumentiert werden, während in relativ kleinen
Gewässern während des Laichgeschehens eine
hohe Wanderaktivität vor allem der Weibchen festgestellt
wurde. Weiterhin zeigte sich eine Verschiebung des in
Waldnähe ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses
zu einem deutlichen Weibchenüberschuss an Offenlandgewässern.
Die Mortalität der Adulti in den Laichgewässern
war zum Teil sehr hoch und lag bei über 80%. Dabei
gab es annähernd keine Unterschiede zwischen den
Geschlechtern, aber deutliche Ungleichheiten zwischen
den Gewässern. Es gibt Hinweise darauf, dass die
Überlebensraten mit der jeweiligen Populationsgröße
bzw. -dichte zusammenhängen. Die Überlebensrate
der Männchen sinkt offenbar, je höher ihre
Individuenzahl am Laichgewässer ist.
Mit der Methode der Skeletochronologie wurde die Altersstruktur
der verschiedenen Populationen ermittelt. Alle Tiere
waren wenigstens zwei Jahre alt; das festgestellte Höchstalter
lag bei sechs Jahren. Die Maturität erreichten
die Weibchen des Untersuchungsgebietes meist mit vier,
die Männchen überwiegend mit drei Jahren.
Zwischen den Populationen zeigten sich keine nennenswerten
Unterschiede bezüglich der Altersverteilung. Eine
Bestimmung von Wiederkehrraten erwies sich als schwierig;
die bestimmten Werte zeigen, dass die Wiederkehrquoten
sehr gering zu sein scheinen.
Ein Methodenvergleich zur Bestimmung der Fekundität
von Weibchen ergab, dass die Zählung von Oocyten
das repräsentativste Ergebnis lieferte. Die Zahl
von durchschnittlich 254 ± 9 (SE) abgelegten
Eiern stellt eine wichtige Ergänzung des bislang
lückenhaften Kenntnisstandes der Weibchen-Fekundität
beim Bergmolch dar. Ein Zusammenhang zwischen Kopf-Rumpf-Länge
bzw. Gewicht der Weibchen und der Anzahl von ihnen abgelegter
Eier konnte nicht nachgewiesen werden.
Das Jungtieraufkommen der verschiedenen Gewässer
hing nicht von der Anzahl der am Laichgeschehen teilnehmenden
Adulten ab, vielmehr zeigte sich ein Zusammenhang der
Überlebensrate der Eier bzw. Larven mit der Gewässergröße.
Die Überlebensraten dieser Entwicklungsstadien
lagen im Promille-Bereich (0,06% bis 0,56%) und stimmen
gut mit aus der Literatur bekannten Daten überein.
Wie auch ein Vergleich mit den Daten der Vorläuferprojekte
zeigt, reicht das Jungtieraufkommen der fünf Untersuchungsgewässer
im Allgemeinen nicht aus, die Größen der
adulten Bergmolch-Bestände zu erklären. Eine
Zuwanderung von anderen - nicht in der Untersuchung
erfassten - Gewässern ist wahrscheinlich.
Durch die Methode der Enzymelektrophorese konnten sechs
polymorphe Loci identifiziert werden. Ein Vergleich
der Allelfrequenzen bzw. FST-Werte zwischen den fünf
Populationen ergab, dass die genetische Differenzierung
insgesamt sehr gering ist und auf ausgeprägten
Genfluss zwischen den Gewässern hindeutet. Weiterhin
wurde für den Locus ME Selektion gegen bestimmte
Allele während des Larvalstadiums nachgewiesen,
wobei über mögliche Gründe im Rahmen
dieser Arbeit keine Aussage gemacht werden kann.
Eine zusammenfassende Betrachtung aller Ergebnisse weist
darauf hin, dass die untersuchten Gewässer keine
eigenständigen, sich selbst erhaltenden Populationen
des Bergmolches beherbergen, sondern zumindest zeitweise
auf Immigration von außen angewiesen sind. Da
neben Defiziten im Jungtieraufkommen auch ein hoher
Grad an genetischer Vernetzung vorliegt, können
die beobachteten Verhältnisse im Sinne einer Metapopulation
interpretiert werden, wobei ein Mischmodell aus core-satellite
und source-sink zutreffend erscheint.
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