Allozymuntersuchungen im Labor
Bis Dezember 2001 lagen genetische Daten für T.
vulgaris, T. alpestris, T. cristatus
sowie die drei Rana-Arten vor. Vorläufige
Resultate dieser Untersuchungen zeigen, dass es signifikante
Unterschiede nicht nur zwischen Allel- und Genotypenfrequenzen
der Adulti bzw. Juvenilen verschiedener Gewässer,
sondern auch zwischen Juvenilen und Adulti vom gleichen
Gewässer gibt. Bisher wurden die Proben der Jungtiere
für den Bergmolch und die Grünfrösche
bearbeitet.
Beispiel Bergmolch
Diese Ergebnisse zeigen für den Bergmolch:
(1) geringe Unterschiede zwischen den Adulti von Gewässer
1 bis 4;
(2) relativ starke Unterschiede zwischen Adulti von
Gewässer 5 und den übrigen Gewässern,
besonders am Locus 6PGD;
(3) starke Unterschiede bei den Frequenzen der Allele
des Locus ME zwischen Adulti und Juvenilen vom gleichen
Gewässer. Dies deutet auf Selektion hin.
Es gibt keine Korrelation zwischen der geographischen
Distanz der Gewässer und den genetischen Unterschieden
zwischen den Adulti. Das ist auch nicht weiter überraschend,
weil nicht nur die Distanzen zwischen den Gewässern
gering sind, sondern auch die Trennung zwischen den
Populationen in den Gewässern 1, 2 und 4 einerseits
und denen in den natürlichen Gewässern 3 und
5 andererseits erst seit 1989 - dem Zeitpunkt der Entstehung
der Gewässer 1, 2 und 4 - besteht.
In Populationen, die bereits längere Zeit getrennt
sind und zwischen denen der Genfluss mehr oder weniger
stabil ist, besteht ein funktioneller Zusammenhang zwischen
den Fst-Werten und der Anzahl der migrierenden Tiere
Nm, entsprechend der Gleichung Fst=1/(1-4Nm). Diese
Beziehung gilt nur für den Fall, dass der Genfluss
für alle Populationen gleich wahrscheinlich ist,
oder wenn - wie in unserem Fall - Fst unabhängig
für jedes Paar betrachteter Populationen berechnet
wird. Andererseits ist nicht zu erwarten, das diese
Beziehung auf Populationen anwendbar ist, die erst seit
kuzem getrennt sind. In diesem Fall gilt die Beziehung
t/2N~ -ln(1-Fst), wobei t die Anzahl der Generationen
seit der Trennung zwischen den Populationen und N die
Populationsgröße darstellt.. Nur wenn t hoch
genug ist, wächst Fst asymptotisch bis zu einer
oberen Grenze, die durch den Genfluss migrierender Tiere
(Nm) definiert ist.
Die Gewässer 1, 2 und 4 bestehen erst seit 1989
und wurden vermutlich von Tieren besiedelt, die von
Gewässer 3 (Erlenmaar) stammen. Seit Beginn der
Besiedlung sind ungefähr 4 Generationen vergangen.
Die erwarteten Fst-Werte zwischen den Populationen,
deren Größe N zwischen 100-2000 Tieren liegt,
beträgt unter 0.007. Das stimmt in etwa mit den
sehr niedrigen von uns beobachteten Fst-Werten überein.
Damit gut in Einklang steht die Beobachtung, dass die
paarweisen Fst-Werte mit dem natürlichen Gewässer
5 deutlich über den Werten zwischen den anderen
Gewässern liegen und somit eine einigermaßen
realistische Migrationsrate widerspiegeln. Mit Werten
von Fst zwischen 0.017 und 0.028 liegen die Nm-Werte
zwischen 9 und 15 Tieren pro Generation und deuten auf
einen intensiven Genaustausch hin. In unserem Fall können
die Fst-Werte also nur für die Bestimmung der Isolierung
zwischen den natürlichen Gewässern verwendet
werden.
Ob das skizzierte Modell auch auf die anderen Molcharten
anwendbar ist, können wir erst entscheiden, wenn
die Proben dafür aufgearbeitet sind. Es bleibt
zunächst auch unklar, welchen Einfluss die nachgewiesene,
in den Gewässern unterschiedliche Selektion bei
den ME-Allelen (Vergleich Adulti-Juvenile) auf das skizzierte
Modell der Adultpopulation hat.
Beispiel Grünfrösche
Die ermittelten Allelfrequenzen der adulten Grünfrösche
weisen in den meisten Gewässern für das Jahr
2000 große Ähnlichkeiten auf. Die mitunter
stark abweichenden Daten für das Jahr 2001 sind
durch geringe Probenzahlen bedingt.
Die Loci LDh-1, 6-PGDh, GPDh und IDh scheinen überwiegend
gekoppelt vorzuliegen. Das 6-PGDh Allel 2 ist in 100%
der untersuchten Tiere mit dem LDh-1- Allel 1 verbunden.
Das Gleiche gilt für GPDh- Allel 1 und IDh- Allel
1. So erscheinen Tiere, die hinsichtlich LDh-1 reinerbig
"1/1" sind, ebenfalls reinerbig in Bezug auf
die übrigen gekoppelten Enzyme. Die übrigen
LDh- Allele können mit allen Ausprägungen
von 6-PGDh, GPDh und IDh gemeinsam auftreten. Alle anderen
Enzyme (MDh, MPI, ME und Glut-Dh) weisen im Untersuchungsgebiet
keine Polymorphien auf.
Das LDh-1-Allel 1, welches in reinerbiger Form dem Phänotyp
Rane lessonae zugeordnet wird, ist in allen Gewässern
mit 72 - 86% vorherrschend. Die übrigen LDh-1-Allele
weisen unterschiedliche Anteile von 7-18% auf. Das Allel
2 ist ebenfalls mit R. lessonae assoziiert. Als typisch
für den R. ridibunda- Phänotyp wird Allel
3 angesehen. Beim Vergleich der Allelfrequenzen zwischen
Adulti und Juvenilen fällt auf, dass der Anteil
der Träger des R. ridibunda-Allels in Gewässer
2 in Jung- und Alttieren deutlich unterschiedlich ist.
Der Anteil sinkt von einer Generation zur nächsten
um 10 % (Adulti: 18 %, Juvenile: 8%). An Gewässer
3 bleibt der Anteil mit jeweils 5 % dagegen stabil.
Unter der Vorraussetzung, dass alle Phänotypen
gleichermaßen zur Reproduktion kommen, deuten
diese Zahlen auf eine Selektion an Gewässer 2 hin,
die gegen die Larven gerichtet ist, die das Allel 3
tragen.
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