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Auswirkungen und Vergleich von Phalangen- und
Transpondermarkierung
sowie Effizienz von Landfallen bei Amphibien
von Anja Dissanayake, Bonn
Die Diplomarbeit
wurde von Prof. Dr. Wolfgang Böhme betreut und im Zoologischen
Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn erstellt. Finanzielle
Mittel standen aus dem E+E-Vorhaben "Entwicklung von
Amphibienlebensräumen in der Agrarlandschaft" zur Verfügung.
Die Arbeit wurde im Mai 2004 abgeschlossen
Zitat: Dissanayake, A. (2004):
Auswirkungen und Vergleich von Phalangen- und Transpondermarkierung
sowie Effizienz von Landfallen bei Amphibien. - unveröff.
Diplomarbeit,
Zool. Forschungsinstitut Museum A. Koenig, Universität Bonn, 118 S.
Gegen eine
Unkostenerstattung in Form einer Vorabüberweisung von 15 Euro
inkl. Versandkosten kann die Arbeit in gebundener Form zum eigenen
Gebrauch zur Verfügung gestellt werden (s. Kontakte).
Zusammenfassung
In Zeiten der überall zunehmenden Bedrohung der
Biodiversität, von der auch die Amphibien
im hohen Maß betroffen sind, sind ökologische
Langzeitstudien zur Untersuchung
der Überlebenswahrscheinlichkeit und Stabilität von
Populationen unabdingbar,
da sie die Beobachtung von Bestandsynamiken über mehrere Jahre
gewähren und auf
diese Weise konkrete Schutzmaßnahmen möglich machen. Gute
Markierungsmethoden
und eine hohe Fangeffizienz bilden hierbei eine grundlegende
Voraussetzung zur
Untersuchung von Amphibienpopulationen.
Im E+E-Vorhaben „Entwicklung von Amphibienlebensräumen in der
Zivilisationslandschaft“
wurden von 1988 bis 2003 im Drachenfelser Ländchen bei Bonn
(Nordrhein-
Westfalen) die Populationen sieben heimischer Arten untersucht. Die
vorliegende Diplomarbeit
beschäftigt sich im Rahmen der dritten Projektphase mit der
Verwendung
invasiver Markierungsmethoden und der Effizienz von Eimerlandfallen.
Durch die parallele Verwendung von zwei gängigen
Markierungsmethoden – Phalangenamputation
und Transponderimplantation – ergab sich die seltene Möglichkeit,
diese
beiden Methoden direkt, an denselben Arten und unter den gleichen
Grundvoraussetzungen
miteinander zu vergleichen. Zur Beurteilung wurden die minimalen
jährlichen
Überlebensraten der beiden im Gebiet mit größeren
Populationen vorkommenden Anurenarten
Grasfrosch Rana temporaria und Springfrosch Rana dalmatina betrachtet,
Entzündungsraten der markierten Tiere verglichen sowie
Fehlerquellen dokumentiert
und quantifiziert.
Im Hinblick auf die Überlebensraten wurden – sowohl gesamt als
auch differenziert
nach Geschlechtern und Untersuchungsjahren – weder beim Grasfrosch noch
beim
Springfrosch signifikante Unterschiede zwischen den transponder- und
phalangenmarkierten
Tieren festgestellt. Eine Auswirkung der Anzahl geschnittener Zehen auf
die Überlebensrate konnte bei beiden Froscharten nicht
nachgewiesen, beim Springfrosch
jedoch auch nicht ausgeschlossen werden.
Die Infektionsrate der geschnittenen Phalangen lag bei den
Springfröschen – gemessen
an der absoluten Anzahl der geschnittenen Zehen – insgesamt bei 1,2 %.
Die
Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum an mindestens einem Zeh eine
Entzündung
aufwies, stieg hierbei mit jedem geschnittenen Zeh und reichte von 1 %
bei Individuen
mit zwei markierten Zehen bis zu 7% bei solchen mit vier markierten
Zehen. Möglich
wäre, dass mit steigender Anzahl der amputierten Phalangen bei
Rana dalmatina die
Immunabwehr zunehmend überfordert ist. Die Grasfrösche waren
mit einer Rate von
3,2 % grundsätzlich anfälliger gegenüber
Entzündungen. Die Anzahl der geschnittenen
Zehen hatte bei ihnen allerdings keine Auswirkung auf die
Wahrscheinlichkeit einer
Entzündung und betrug unabhängig von der Zahl der markierten
Zehen 6 bis 7 %.
Bei vielen Tieren waren die Entzündungen bei späteren
Wiederfängen allerdings nicht
mehr vorhanden, so dass es sich meist um eine temporäre
Beeinträchtigung handelte.
Die Entzündungsgefahr durch PIT-Implantation scheint
vernachlässigbar zu sein. Von
1048 mit Transpondern versehenen Tieren wurde nur ein einziger Fall mit
einer durch
die Implantation hervorgerufenen Entzündung registriert.
Die Wahrscheinlichkeit, dass – durch unterschiedliche Ursachen – eine
fehlerhafte
Nummerierung (Codeverfälschung) entsteht, war bei der
Phalangenamputation deutlich
höher als bei Transpondermarkierung. Die minimale nachvollziehbare
Fehlerquote
bei der Implantation der Transponder betrug nur 1,4 bis 4,4 % und
konnte durch Korrekturen
noch deutlich auf 1,2 bzw. 0,7 % gesenkt werden. Bei der
Phalangenamputation
ergab sich eine relativ hohe Gesamtfehlerquote von 7,6 %, die durch
Korrekturen
nur unwesentlich auf 6,4 % verringert werden konnte.
Die zusammenfassende Betrachtung aller Ergebnisse ergibt, dass bei
sorgfältiger und
steriler Anwendung und unter Beachtung weiterer Richtlinien
Transponderimplantation
und Phalangenamputation gleich verträglich sind. Aufgrund der
deutlich höheren Fehlerquote
bei der Amputation von Phalangen ist die Transponderimplantation aber
trotz
höherer Materialkosten vorzuziehen.
Die Fangeffizienz von Landfallen an Fangzäunen ist für die
Nachweiswahrscheinlichkeit
und die Populationsschätzung der Amphibien von großer
Bedeutung. Da solche Landfallen
gleichzeitig ungewollt hohe Fang- und Mortalitätsraten bei
Kleinsäugern aufweisen,
ist eine Ausstiegshilfe für diese Tiergruppe unumgänglich. Da
solche Ausstiegshilfen aber auch das Entweichen von Amphibien
begünstigen, wurde experimentell getestet,
wie stark dieser Effekt – abhängig von Arten, Geschlechtern und
Altersstufen – die
Fängigkeit für Amphibien verringert.
Die beispielhaft durchgeführten Untersuchungen an adulten
Bergmolchen Triturus alpestris
und Teichmolchen T. vulgaris zeigen, dass die Verwendung einer
Ausstiegshilfe
einen signifikanten Einfluss auf das Entkommen beider Molcharten hat.
Die Entweichquoten
betrugen – abhängig vom Wassergehalt in den Eimerfallen – bei
Eimern mit
Ausstiegshilfen bis zu 22 %, bei solchen ohne Hilfe höchstens 3 %.
Artspezifische Unterschiede
ergaben sich nicht, d. h. Teich- und Bergmolche nutzten die
Ausstiegshilfe
gleichermaßen. Die geringsten Entweichquoten wurden bei adulten
Molchen bei mit
Wasser gefüllten Fallen ohne Ausstiegsshilfe registriert. Adulte
Bergmolche waren im
Vergleich zu den Teichmolchen besser in der Lage, aus den Fallen ohne
Ausstiegshilfen
zu entkommen. Bei der Bestimmung der Populationsgrößen
allein auf der Basis von
Eimerfallen (ohne Fangzaun) von Molchen sollten mit Hilfe
entsprechender Experimente
der durch die Ausstiegshilfen entstehende Fehler berücksichtigt
werden bzw.
weitere Erfassungsmethoden wie Wasserreusen zum Einsatz kommen.
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